„Am wichtigsten ist mir, mit der Botschaft in meinen Werken die Herzen der Menschen zu erreichen.“

Wir laden Sie herzlich zur 19. PSB-/BEW-Kunstausstellung im Zentrum für integrative Suchthilfe ein. Ab Donnerstag, den 23. August 2018 können Sie im Eingangsbereich Werke des Künstlers Thomas R. Decker sehen. 

Herr Decker, Jahrgang 1960, ist in Karlsruhe aufgewachsen und wohnt seit etwa 10 Jahren in Berlin. Langjährig war er als Straßenmaler tätig bis er sich zum Studium der Kunsttherapie entschloss. Er arbeitete dort mit verschiedenen Zielgruppen, insbesondere mit Kindern.

„Schon als Kind lernte ich früh, angetrieben durch große Neugier, mich non-verbal auszudrücken, indem ich beispielsweise gerne mit Wasser, Sand und Feuer experimentierte oder Stofftiere komplett auseinander nahm. In der Schule zeichnete ich Karikaturen der Lehrer und entdeckte schon damals den künstlerischen Ausdruck als einen für mich idealen Weg, um Gefühle zu regulieren und Ereignisse zu verarbeiten. Nach meinen Jahren in denen ich als Zimmermann tätig war und mich ein Stück weit von der Kunst entfernte, erfuhr ich die große Wiederentdeckung meines eigenen kreativen Ausdrucks im Rahmen einer Kunsttherapie in einer psychosomatischen Klinik. Die Kraft der Kunst faszinierte mich so sehr, dass ich intensiv malte und mich sogar für ein Studium der Kunsttherapie entschloss.“

"Sehnsucht"
Bild Decker
"Berliner Schutzengel"
Bild Decker
"Mein Kiez"
Bild Decker
"Es war einmal..."
Bild Decker

So lange Thomas Decker denken kann, hat Kunst eine Rolle in seinem Leben gespielt. In der Familie wurde er schon als Kind mit dem Thema Sucht konfrontiert – sein Vater war Alkoholiker. Erniedrigung, Verletzung und Stigmatisierung beschäftigen ihn seither und er verarbeitet sein „Chaos um in sich eine Ordnung zu schaffen“.

„Mein künstlerisches Schaffen hilft mir, die Wirklichkeit besser zu verstehen, ich selbst sein zu können, meine Wunden auszudrücken und ihnen einen Platz zu geben. Kunst ist für mich immer noch ein Mittel, die Verletzungen, die ich schon früh erlitten habe, in mein Leben zu integrieren. Die Kunst hat mir auch die Kraft gegeben, aus einer Opferrolle herauszutreten.“

Die Stigmatisierung von leidenden Menschen, von Menschen mit einer Suchterkrankung sind zentrales Thema. Auch seine Tonarbeiten bringen das zum Ausdruck.

„Als ich das Plastizieren mit Ton für mich entdeckte, war es Liebe auf den ersten Blick. Die dadurch freigesetzten heilsamen und zusammenhaltenden Kräfte ermöglichten es mir, zum ersten Mal zu spüren, wie ganz ich mich fühlen kann. Am Ton liebe ich besonders, dass er keinen Ton von sich gibt – und trotzdem den Ton angibt – und in seiner Stille auf neue Erkenntnisse hinweist.“

"Der Panther"
(nach R. M. Rilke)

Thomas Decker ist vielseitig interessiert: Neben Acrylmalerei, Ölmalerei und den Tonarbeiten verfasst er auch Gedichte und gibt der Musik einen wichtigen Platz in seinem Leben. Die Sprache ist sein Steckenpferd. Er schafft es mit interessanter Wortwahl, Wortspielerein und Zitaten seinen subjektiven Blickwinkel zu äußern.

„Wenn ich male oder plastiziere, halten die Werke, die daraus entstehen, mich noch halbwegs zusammen – ansonsten falle ich auseinander. Die Kunst schafft eine neue Ordnung – nur so kann ich lebensfähig sein."

Die ausgestellten Werke zeigen hauptsächlich den Alltag in Berlin, wobei U-Bahnhöfe ihn besonders faszinieren. Aber auch „Madonnen“ sind ein Lieblingssujet von ihm. Sie steht für die Sehnsucht und die bedingungslose Liebe.
Herr Decker nutzt die Werkstatt in der Donauwelle. „Hier wird mir Raum gegeben um mich künstlerisch weiter zu entwickeln und selbständiger zu werden. Ich kann mit meiner Kunst auf ein ‚Substitut‘ zurückgreifen, was mir gut tut.“
Dieses ist nicht die erste Ausstellung – seine Bilder waren bereits in einer Galerie in der Friedrichstraße oder auch in Kirchen zu sehen.


Ab 23. August 2018 im Empfangsbereich des Zentrums für integrative Suchthilfe in der Stromstraße 47, 10551 Berlin zu den Öffnungszeiten zu sehen.

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